Goethe in Jaipur – Palast der Winde

Goethe in Jaipur - Palast der Winde

Mit verbrannten Füssen aus dem Taj folgen wir weiter der Touristenroute, die Goethe der Jenaer Ex-student vorschlägt. „Erst die Kultur...,“ teilt er mir von seinem hohen Ross mit, will er sehen, dann erst will er dem Volke aufs Maul schauen. Ich heuchle Geduld.

Mitten im hupenden, edelsteinverkaufenden, aufstrebenden Wüstenwahnsinnskaff Jaipur steht der Palast der Winde. Es ist eines der wichtigsten touristischen Orte Indiens. Pauschaltouristen von allen Planeten der Milchstraße werden hier kurz abgeladen. Sie kommen nicht bewaffnet mit Photonenlasern, sondern Kameras.

"Der Hindi-name Hawa Mahal – heißt wörtlich übersetzt Luft-oder Windpalast", erklärt mir der Geheimrat, der nachts auf dem Reiseführer schläft. Recht hat er, dieser Palast ist ein historisches Phänomen. Er besteht nur aus einer Fassade mit kleinmaschigen Steinfenstern. Eine handwerkliche Meisterleistung. Der Palast steht an einer stark befahrenen Strasse.

Ja richtig, Kamelkarren drängen Autobuse ab, die legen sich mit Touristenbusen an und dann schlackst ein Halbstarker mit Ohrringen und 80-Jahre Fokuhila über die Strasse und zwingt all die mächtigen Verkehrsmittel zum Stoppen.

Der Hawa Mahal ist eine steingewordene Burka. Er wurde errichtet damit die Frauen des Großkönigs ungesehen das Markttreiben unten auf der Strasse beobachten konnten. Die Mädels des Maharajas haben also oben auf den roten Sandstein hockend durch die Steinfenster geschaut. Die Damen von Hofe durften nicht raus, ich spüre Entrüstung von Seiten des poetischen Liebhabers.

Die Fassade des Palastes ist auch noch von vorne eingezäunt. Um hineinzukommen muss man durch die Hinterhöfe. Hier geht man durch, an vielen kleinen Händlern vorbei. Sie haben sich symbiotisch in die alten Gemäuer eingewanzt. Sie schützen die Mauern und diese bringen ihnen pralle Touristengeldbörsen. Die Händler verfeinern mit jedem Tag ihren Instinkt, welcher Tourist von wo sein könnte. "Uuhh-la-la tres bokuhp" für die Franzosen. "Lovely jewelery" für die geneigte Engländerin. Der mit Trekkingsandalen bewehrte Deutsche hört: "Zia billisch. Guude Kwalidäd." Uns können sie nicht einordnen also bekommen wir alles nacheinander zu hören. Und unbedingt mitnehmen sollen wir glitzersteinbesetzte Schnabelschuhe. JWG ist empört: "Die sind doch aus der Mode, seit Bonaparte trage die bei Hofe niemand mehr."

Endlich drin. Endlich Ruhe. Endlich ein Fotoparadies. Mein Model erlächelt sich einen Fotomuskelkater.

Das Gebäude gibt mir eine Ahnung welche verschiedenen Kulturen mit den muslimischen Invasoren im Hinduland aufeinanderprallten. Goethe und ich sehen zu gern einer Frau ins Gesicht. Diese getauschten Augen(blicke) machen uns aus. Und dann baut Jemand ein Haus um genau diese zu untersagen? Ein notorischer Liebhaber und ein Kameramann trollen sich kopfschüttelnd.

 

Gruss und Kuss,

Wolfgang und sein digitaler Eckermann




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