Die Fahrt auf dem Khardung-La-Pass oder „Eins sein“

Goethe in Indien-Khardanh-La-Pass

Rrrrrrrrrr-Tang-Tang.

Mensch und Maschine haben eine Einheit gebildet.

Krack, brrrrrr, erster Gang.

Wir hatten grosse Anfangsschwierigkeiten. Madam – 350 Kubikzentimeter – Royal Enfield-Mietmotorad aus der Himalayastadt Leh sprang nur an, wenn man sie ganz lieb bat oder fürchterlich trat.

Glitsch, zisch - durchs kalte Wasser. Ein Schmelzwasserbach kreuzt.

Langsam verzögern und gerade halten – sonst haut sie mir ab.

Ich stehe auf den Fußrasten wie ein Jockey beim Pferderennen.

Unter mir tanzt die Enfield den Berg hinauf. Ich zirkel zwischen den Gesteinsbrocken durch und sie versucht mich in jeder Schlammpfütze loszuwerden. Sie bockt und wirft ihr Hinterteil hin und her wie ein Rodeopferd.

 

Hinter mir ächzt mein Sozius, der hölzerne Johann. Er benutzt unflätige Worte um sein schmerzendes Hinterteil zu beschreiben.

Deng, lllllllrrrrrkkk, mechanisches Zähneknirschen – wieder der erste Gang. Langsam geht dem Motorad die Puste aus. Ich atme flach, die Luft wird dünn.

 

In der Dämmerung hab ich den Kickstarter getreten und uns den Berg hinaufgelenkt. 39 Kilometer weit und nun 2078 Meter höher. Wir sind oben. 5,359 Meter hoch. Ich hab den Luftfilter ausgebaut, damit Madam überhaupt noch zieht. Eben hab ich sie im ersten Gang - bei Vollgas immer noch anschieben müssen.

Langsam hat sich das Tal geöffnet, die Sonne ist hinter einer Bergkette aufgegangen. Unten war T-shirt-Wetter jetzt zieht Goethe seinen Umhang immer fester um sich. Wir stehen im Schnee und kraxeln von der Strasse hoch zu drei bunt bemalten buddistischen Lotussteinen. Genauer hier, drei mannshohe Gebilde, die die Erleuchtung symbolisieren sollen.

Wir japsen nach Luft, schweigen 20 Minuten, betrachten die Bergketten unter uns. Dazu gehört auch die Karakorumkette in Pakistan. Der Karakorum-Highway wird wohl noch lange ein Traum von uns: Mir, Goethe, und dem Motorrad bleiben. Dazu müsste Pakistan wieder Frieden finden.

 

Kurzatmig, 5000 Höhenmeter machen uns zu schaffen, führen wir einen Dialog mit den Bergen. Wie immer gewinnen die Berge, wir fühlen uns wie Ameisen. Wie Ameisen, die eins sind mit den Bergen und der beeindruckenden Welt zu ihren Füßen.

 

Fast zaghaft trete ich den Motor von Madam-Bullet an und tanze den Serpentinentango zurück nach Leh.

Gruß und Kuss,

Wolfgang und sein digitaler Eckermann

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Charolette Merino (Montag, 06 Februar 2017 15:33)


    Wow, this post is fastidious, my sister is analyzing these things, therefore I am going to convey her.